Gemeinde Ellenberg
Freiwillige  Feuerwehr  Ellenberg   
       
             
           
   
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    4. Die erste Ellenberger Feuerlöschordnung      
             
    Die mit Gesetzeskraft am 20.05.1808 für das Königreich Württemberg erlassene Feuerlöschordnung, die in ihren    
    Grundzügen über 75 Jahre des 19. Jahrhunderts Gültigkeit hatte, verlangte erstmals eine organisierte Löschpflicht mit    
    verteilten Aufgaben. Diese Landesfeuerlöschordnung verpflichtete jede Gemeinde zur Aufstellung eine    
    Lokalfeuerlöschordnung nach diesen Richtlinien. Dieselbe sollte von Zeit zu Zeit immer wieder revidiert und publiziert    
    werden. Es sollte jedoch noch über drei Jahrzehnte dauern, bis diese Anordnung in Ellenberg ausgeführt wurde.    
    Erst nachdem ein Beschluss des zuständigen Ruggerichts von 1839 die Aufstellung einer solchen Lokalfeuerlöschordnung    
    dringend anmahnte, wurde dann am 05. Dezember 1842 die Vorschrift in die Tat umgesetzt. Diese
   
    Lokalfeuerlöschordnung ist die erste ihrer Art, die den Feuerschutz in Ellenberg verbindlich regelte.    
    Es werden genaue Anweisungen für das Verhalten der Einwohner im Falle eines Brandes in Bezug auf Alarmierung,    
    Brandbekämpfung und die Rettung von Mensch und Habe gemacht. Darüber hinaus werden aber auch zum ersten Mal    
    einzelne Männer bestimmt, die als Rottmeister den Löschmannschaften vorzustehen haben oder die dafür Sorge zu    
    tragen haben, dass die geretteten Mobilien in sichere Verwahrung kommen. Aus der Masse der Einwohner treten nun    
    zum ersten Mal einige Männer heraus, die besonders für die Brandbekämpfung zuständig sind, und man kann deshalb    
    zu Recht von einer Art Gründungsurkunde einer freiwilligen Feuerwehr sprechen, weshalb diese Lokalfeuerlöschordnung    
    im folgenden im Wortlaut wiedergegeben werden soll.    
             
    "Vor dem Gemeinde Rath    
    Nach einem Rugg Gerichts Receß vom Jahr 1839 fol: 82 § 5 ist verordnet, daß eine Feuer Lösch Ordnung in hiesiger    
    Schultheißerey nach Vorschrift des Regierungsblatt vom 20. März 1808 S.297 entworfen und sonach der versammelten    
    Gemeinde bekannt gemacht werden soll.    
    Diesem zu Folge und weil eine solche Anordnung für höchst nothwendig erachtet wird, so werden sämtliche Amts    
    Angehörigen ernstlich angewiesen bei Ausbruch eine Feuersgefahr den zwekmäßigen Anordnungen nach den    
    gesezlichen Bestimmungen aufs genaueste Folge zu leisten.    
    § 1    Sobald in einem Hause ein Brand oder nur ein ungewöhnlicher starker Rauch bemerkt wird, so hat der es    
            bemerkt zuerst den Eigenthümer, und wan sich ein Ausbruch von Feuers Gefahr bestättig, so gleich den Orts    
            Vorsteher, oder in dessen Abwesenheit, den Amts Verweser hievon Anzeige zu machen. Diese Anzeige darf    
            selbst bei einer noch unbedeutend erscheinenden Gefahr nicht unterlassen werden.    
            Sollte aber ein Brand im Ort zeigen, wo die Flamme schon ausschlagt, der jemand anders als von dem    
            Eigenthümer zuerst gesehen werden, so hat derselbe zwar sogleich Feuer Lermen zu machen, dabei sich aber    
            so viel möglich zu beeilen, daß dem Orts Vorsteher die Anzeige gemacht wird.    
    § 2    Die Strumgloke darf ohne Vorwissen des Orts Vorstehers nicht angezogen werden, außer wann im Orte selbst    
            die Flammen schon zu einem Hause hinaus schlagen. Dabei soll aber Unterschied gemacht werden.    
            Zwischen einem Brand im Ort oder einem auswärtigen Ort und zwar der gestallt:
   
            Bei einem Brand im Ort soll die große Gloke zuerst angezogen und mit Absezen die übrige nachgezogen werden.    
            Bei einem auswärtigen Brand die mittlere Gloke zuerst gezogen und nach Absezung sind ebenfalls die andere    
            nachzuziehen.    
    § 3    Sobald sich ein Feuer Lermme im Ort selbst erhöbt, so haben die im Ort befindlichen Maurer und Zimmerleute,    
            und wann von ausen solche herein kommen, auch diese sogleich mit dem nöthigen Handwerkszeug auf der    
            Brandstätte zu erscheinen, und sich der Anordnung des Orts Vorsteher, solange kein höherer Beamte    
            angekommen, zu unterwerfen und Folge zu leisten.    
    § 4    Keine Feuersprize ist nicht vorhanden und soll bis zu Anschaffung einer solchen, die Anordnung unterbleiben.
   
    § 5    Der jeweilige Steuereinbringer hat jeder Zeit sogleich dafür zu sorgen, daß die in dem Hause wo der Brand
   
            entstanden ist, sowie auch die aus anderen Häusern geflichteten Efekten und Geräthschaften und wann bei    
            einem Gebäude, wo die öffendlichen Acten sich befinden, Ausräumung nothwendig erscheinen solte, solche in    
            sichere Verwahrung gebracht und hievon nichts entwendet werden könne. Wozu auch nachbenannte Männer    
            mit Treie und Verantwortlichkeit Hilfe zu leisten haben : Josef Wiedmann, Josef Haßler. Als SchäzungComicien    
            für die Versicherung des beweglichen Vermögen und für die Fürsorge, daß solches in sichere Verwarung kommt,    
            wurde gewählt : Josef Gentner und Lichtmaneker, Gemeinderäte. (Da Lichtmaneker wegen Alter Schwäche dieses    
            Geschäft nicht versehen kann wird hiezu Gemeinde Rath Gentner bestimbet und über seine Pflichten belehrt.)    
            Zu Rottmeister zu den in zwei Rotten abgetheilte Mannschaft wurde bestimbt: GemeindeRath Schmid, Josef    
            Haßler. (Da Schmid weggezogen, so wird für ihn bestimbt Anton Gaukler.)    
    § 6    Die herbei eilende Mannschaft hat sich von Haus aus, wan es im Ort selbst brennt, auf den Brandplaz versehen
   
            mit Löschgeschirr und Feuer Eimer zu begeben, und sich zu denen ihnen angewiesenen Verrichtungen mit    
            Eifer und Thätigkeit gebrauchen zu lassen.    
    § 7    Wan ein Feuer Lerme gemacht wird, das es auswärts brenne, so hat die zur Löschung bestimbte Rotte mit ihren    
            Feuereimern bei dem Amts Gefängnis zu erscheinen, und es hat die weitere ledige Mannschaft, an deren die    
            Reihe nicht ist, aus dem Amtsgefängnis zur Löschung Feuer Eimer abzuhollen und sich an die Rotte anzuschließen    
            und hat sämtliche Mannschaft dem Rottmeister Folge zu leisten.    
    § 8    Wann ein Brand bei finsterer Nacht auskommmt, so soll zur Beleuchtung der Straßen hell brennende Latternen    
            ausgehängt werden.    
    § 9    Was auf eien Brand innerhalb der Schultheißerei Orte Bezug hat, findet dasselbe Anwentung, was in der zur    
            Schultheißerei geherigen Parzelle anwentbar ist, ihre Anwentung und werden in der größeren Parzelle Breitenbach    
            zu Aufseher bei Ausraumung der Mobilienschaft und beweglichen Vermögens bestimbt : Xaver Kohler, Josef    
            Rettenmaier. Als Rottmeister : Melchior Mohr, Georg Rieg. In den kleinen Parzellen wurden jene Anordnungen den    
            Weiler Vorsteher übertragen, welchen die die Parzellenbewohner Folge zu leisten haben.    
    § 10  Sollte in einer Parzelle ein Brand entstehen, so ist dem Weiler Vorsteher sogleich die Anzeige zu machen und    
            dieser hat, sogleich wo möglich, durch einen Feuerreiter diese Anzeige an das Schultheißenamt zu erstatten.    
    § 11  In den kleineren Parzellen wo kein Weiler Vorsteher aufgestellt ist, haben diese Einwohner einander an die Hand    
            zu gehen, und bei einer entstandenen Feuersgefahr den Schultheißerei Vorsteher schleunigstens Anzeige zu    
            machen, daß ihnen Hilfe angeordnet werden kann.    
    § 12  In Betref des Flachs dörrens wird zur Erünnerung gebracht, daß bei Vermeidung 10 f Strafe nur in solchen    
            Baköfen gestattet ist, welche 30 m von dem nächsten Gebäude entfernt sind, und zwar unter dieser    
            Verbindlichkeit, daß man in möglichster Bälde besondere Einrichtungen treffen wolle,was auch auf die Parzellen    
            Bezug hat.    
    Diese Lösch Ordnung wurde gemeinderäthlich anerkannt.    
    Schultheiß Weiß (Schulzenbauer), Veile, Hauber, Zimmer, Schmidt, Gentner, Schmidt, Haas, Kohler, Veile,    
    Lichtmaneker."         (Gemeinderatsprotokoll vom 05. 12. 1842)    
           
    Mit der Einführung dieser Lokalfeuerlöschordnung wurde dem Umstand Rechnung getragen, dass die herkömmliche Art    
    der Brandbekämpfung, bei der alle Einwohner zum Teil völlig unorganisiert ihre Aufgaben wahrnahmen, nicht effektiv    
    genug war. Stattdessen wurden nun Strukturen geschaffen, innerhalb derer einzelne Personen wie der Orts- oder    
    Weilervorsteher Führungsaufgaben übernahmen und gewissermaßen als ehrenamtliche Kommandanten die    
    Brandbekämpfung leiteten. Andere wiederum, wie der Steuereinbringer oder einzelne Gemeinderäte hatten die Fürsorge    
    über die geretteten Habseligkeiten zu übernehmen. Und schließlich wurden Löschzüge mit einem Rottmeister an der    
    Spitze bestimmt, so dass im Ernstfall eingearbeitete Mannschaften zur Verfügung standen. Daneben hatten verschiedene    
    Berufstände (Maurer und Zimmerleute) besondere Aufgaben entsprechend ihrer Qualifikation zu erfüllen.    
    Die Metzger waren meistens als Feuerreiter abkommandiert, um von auswärts Hilfe zu holen.    
             
       
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